andreas antonia

22. Dezember 2017 | Polarwind
Puerto Williams, Feuerland, Chile: So langsam sind wir startklar für den großen Törn in die Antarktis. Die Crew ist auf jeden Fall schon mal komplett: Andreas, Antonias Patenonkel und erfahrener Segler aus Münster, ist gestern angekommen. Die US-Amerikaner Clint und Reina von der SY Karma werden ebenfalls dabei sein. Die beiden leben seit 15 Jahren an Bord ihrer Yacht und sind seit mehr als einem Jahr im Revier Feuerland unterwegs. Valdo hat schon letztes Jahr mit der Karma Weihnachten gefeiert – und seitdem sind die drei „best friends“. Auch die Kids und ich haben diese lustigen Amerikaner gleich ins Herz geschlossen. So haben die Kinder automatisch einen Englisch-Intensiv-Kurs in der Antarktis, da freut sich die Lehrerin.

Die Karma bleibt in Puerto Williams und dient als Lager für all die Sachen, die wir in den nächsten Wochen nicht auf der Polarwind brauchen. Toni ist leider nach Deutschland zurückgekehrt, so dass wir insgesamt zu siebt an Bord sein werden. Das ist perfekt für einen Törn ins Nirgendwo, denn so können wir uns bei der Wache im Kalten entsprechend häufig abwechseln – und wir sind genug Leute, falls jemand seekrankheitshalber ausfallen sollte.

Wir planen, ungefähr vier Wochen unterwegs zu sein. Das kann bei extrem schlechtem Wetter aber auch länger werden. Wir brauchen also jede Menge Essen an Bord, denn sobald wir Puerto Williams verlassen, können wir nichts mehr kaufen. Aber um das überhaupt erst einmal aufzutreiben, erfordert es eine gewisse Logistik.

Haltbare Lebensmittel haben wir schon seit unserem letzten Besuch in Ushuaia im November an Bord: Nudeln, Reis, Bohnen, Mehl…..damit kommen wir wahrscheinlich bis in den März. Frische Sachen machen es komplizierter. Die Fähre kommt am Samstag in Puerto Williams an. Obst und Gemüse haben wir also über einen der Tante-Emma-Läden bestellt und wenn alles klappt, werden uns Samstagmittag kistenweise Äpfel und Co zum Schiff gebracht. Haferflocken, eingeschweißtes Vollkornbrot und Milch hat Luis, ein Bekannter, in Punta Arenas gekauft und zur Fähre gebracht, so dass wir das dort als „Direktsendung“ Samstagnachmittag abholen können. Fleisch gibt es nun mal das allerbeste in Argentinien. Atilio war so nett, für uns vakuumverpacktes in Ushuaia zu besorgen. Er hat auch eine Segelyacht gefunden, die schon vor zwei Tagen nach Puerto Williams kommen wollte. Allerdings gab es da plötzlich so starken Sturm, dass die Yacht umdrehen musste. Selbst in der geschützten Bucht von Puerto Williams wurden 80 (!) Knoten Wind gemessen – unglaublich! Auf ein paar Umwegen hat das Fleisch aber trotzdem inzwischen den Weg zu uns und seinen Platz ganz unten in der Bilge gefunden.

 

Screenshot

 

Die Dieseltanks sind voll, auch die Kanister an Deck. Unser kleines Dinghi liegt verstaut unter der Koje, das große ist ohne Luft an Deck festgezurrt. Eine komplette Tauchausrüstung für Temperaturen um den Gefrierpunkt ist an Bord – nicht, dass wir scharf darauf sind, im eisigen Wasser zu tauchen, aber für den Notfall sind wir gerüstet. Für alle Lüfter und den Ausgang der Heizung liegen Dichtungen bereit, um bei allzu großen Wellen in der Drakepassage alles wasserdicht verschließen zu können. Zwei zusätzliche flexible Wassertanks haben wir an Deck festgezurrt, so dass wir 300 l Extra-Wasser haben. Im letzten Augenblick werden wir nochmal die großen Wassertanks randvoll machen. Spielsachen, Bücher, Laptops sind so verstaut, dass nichts mehr durch die Gegend fliegen kann.

Ein weiteres Logistik-Thema ist der Müll. Alles, was wir produzieren, müssen wir wieder mitbringen. Wie viel Müll machen sieben Personen in ein paar Wochen? Auch dafür muss natürlich Platz geschaffen werden.

Und dann heißt es warten, warten auf das richtige Wetterfenster, um einigermaßen heile über die Drakepassage zu kommen. Das ist das Aufregendste an der ganzen Sache. Auf Antonias Frage: „Wann ist Weihnachten?“ antworten wir deshalb auch: „Wenn wir in der Antarktis ankommen – oder bei schlechtem Wetter, bevor wir losfahren.“ Denn was ist schon ein Datum? Wir feiern einfach, wann das Wetter uns lässt!